Geschichte des Silbers

Bereits 5000 Jahre vor Christus wurde der Rohstoff Silber verwendet.

Die Menschheit kennt und nutzt Silber schon seit mindestens 7000 Jahren. Die frühesten bekannten Silberfunde stammen aus dem Reich der Hethiter, das auf dem Gebiet des heutigen Anatolien liegt und schon in der Bibel erwähnt wird. Von hier aus wurde ein Großteil des Silberbedarfs der damaligen Hochkulturen in Ägypten, in Griechenland und im Nahen Osten gedeckt. Silber wurde damals u.a. für die Herstellung von Schmuck und Gefäßen verwendet. Der legendäre Schatz des Priamos, den Heinrich Schliemann bei seinen Ausgrabungen in Troja entdeckte, enthielt Vasen und Messerscheiden aus Silber; im Grab des Pharao Tutanchamun wurde eine Trompete aus Silber gefunden, und das Friedensabkommen von Kades zwischen Ramses II und Mutawalli, der älteste Friedensvertrag der Geschichte, wurde auf einer Silberplatte festgehalten.

Mit dem eigentlichen Silberbergbau dürfte um 3000 v. Chr. begonnen worden sein, und ab 2500 v. Chr. kannten die Menschen ein Verfahren, um Silber aus Gestein zu gewinnen. Im 6. Jahrhundert v. Chr. kamen erste Silbermünzen als Zahlungsmittel zum Einsatz. In der Blütezeit des Islam von 560 bis 1125 kam Silber, das nun hauptsächlich für die Prägung von Münzen gebraucht und weniger zu Schmuck verarbeitet wurde, aus Arabien und Kleinasien. In Europa kam der Silberbergbau erst im Mittelalter auf, und nach der Entdeckung Amerikas wurden ab dem 15. Jahrhundert in Südamerika große Mengen gefördert.

Im 16. Jahrhundert entstanden erste Essbestecke aus Silber, die vorläufig nur an den Tafeln des wohlhabenden Adels Einzug hielten und erst im auslaufenden 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung mit der aufkommenden Massenproduktion auch für bürgerliche Haushalte erschwinglich waren. Nachdem Silberbesteck vorübergehend durch modernere, pflegeleichtere Materialien verdrängt wurde, kommt es inzwischen durch neue Herstellungsmethoden, die das Anlaufen verhindern, immer mehr in Mode.

Silber gehört im Periodensystem der Elemente mit der Ordnungszahl 47 zu den sogenannten Übergangs- metallen. Es ist mit der Mohshärte von 2,7 sehr weich und lässt sich zu sehr feinen Fäden ausziehen und zu hauchdünnen Folien auswalzen. Silber leitet Wärme und Elektrizität besser als alle anderen Metalle, es reflektiert und absorbiert Licht besser als alle anderen Elemente der Erde und es kann mit fast allen anderen Metallen legiert werden. Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften ist Silber, neben der Verwendung als Werkstoff für Schmuck, für viele weitere Anwendungen, vor allen Dingen in der Foto-, Elektro- und chemischen Industrie unverzichtbar: Heute werden 70% der rund 20000 Tonnen des jährlich geförderten Silbers im industriellen Bereich verarbeitet, die Hälfte davon kommt aus Peru, Mexiko, China und Chile.

Da die weltweiten Silbervorkommen begrenzt sind, die Nachfrage aber weiter zunimmt, ist das Recycling von Silberabfällen, insbesondere aus Fotomaterialien und Elektroschrott, auch angesichts des stark steigenden Preises, wirtschaftlich interessant geworden.