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2. September 2020 11:36 Uhr

Wie setzt sich eigentlich der Silberpreis zusammen?

Kaum etwas auf der Welt dürfte dermaßen komplex sein wie die Entstehung von Preisen für Edelmetalle – vielleicht noch das System, nach dem Google Websites bewertet. Von diesem streng geheim gehaltenen Verfahren ist nur bekannt, dass dabei über 200 Faktoren mit einfließen. Wie ist es aber bei Edelmetall- und Rohstoffpreisen? Anders als beim Google-Algorithmus sind die Einflussfaktoren eigentlich bekannt und außerdem sind sie nicht rein mathematischer Natur, wie das bei der Bewertung durch Google der Fall ist. An den Börsen spielt auch immer der menschliche Faktor eine Rolle.

Bereits seit ungefähr 6000 Jahren fördert die Menschheit dieses glänzende Edelmetall Silber. Schnell setzte es sich als das Metall durch, aus dem man hervorragend Münzen prägen konnte. Was diese Münzen dann im Einzelnen wert waren, das wurde verbindlich festgelegt. Der Preis für Silber ist also etwas, was auch heute noch an den internationalen Börsen eine große Rolle spielt und ebenfalls wie die Preise für Rohstoffe oder Edelmetalle lange in die Geschichte zurückreicht.

Ein erstes Beispiel für den Einfluss von geschichtlichen Ereignissen auf den Silberpreis findet sich 1492, als die Spanier den amerikanischen Kontinent per Schiff erreichten und dort große Mengen an Gold und Silber vorfanden. Nachdem dieses abgebaut und nach Europa verbracht wurde, fiel der Silberpreis europaweit. Logisch: Mehr Silber im Umlauf bedeutet niedrigere Preise. Heutzutage hat so etwas keinen Einfluss mehr auf die Entwicklung des Silberpreises, da neu entdeckte Silbervorkommen nicht mehr den Umfang haben, wie es 1492 der Fall war. Der Goldrausch in Kalifornien Ende des 19. Jahrhunderts war noch so ein Ereignis, das ähnliche Auswirkungen auf den Edelmetallpreis hatte, diesmal natürlich auf den von Gold.

In der Gegenwart mit seinem hochkomplexen Börsensystem, das viel mehr als früher noch international verflochten ist, sind weitere Faktoren hinzugekommen, die den Silberpreis beeinflussen, insbesondere derjenige der Spekulation. In den 1970er Jahren etwa wurden von wenigen Spekulanten riesige Mengen an Silber angekauft, weshalb der Silberpreis exorbitant stieg. Allerdings fehlten in diesem Fall reale Gegenwerte und die Silberpreisblase zerplatzte kurz darauf wieder. In einem anderen Fall kaufte in den 1980er Jahren der bekannte Großinvestor Warren Buffet fast 40 % der weltweiten Silberreserven auf, um sie später wieder zu verkaufen, mit hohen Gewinnen dieses Mal. Man sieht schon: Die Spekulation ist heutzutage ein entscheidender Faktor, nach dem sich Silber- und Goldpreise richten. Spekulation ist nichts anderes als zukünftige Entwicklungen der Weltwirtschaft einzuschätzen und sich nach dieser Prognose zu richten. Dabei handelt es sich, zumindest im globalen Maßstab, um ein sich selbst verstärkendes System: Wenn jemand große Mengen an Edelmetallen, beispielsweise Silber, kauft, ist das für andere ein Signal, dass möglicherweise demnächst die Nachfrage steigen wird.

Womit wir beim nächsten Punkt wären: Die Nachfrage. Die Nachfrage entscheidet ebenfalls hauptsächlich darüber, wie teuer Silber, Gold oder Erdöl auf den internationalen Märkten sind. Falls etwa ein neues Produkt im großen Stil auf den Markt kommen soll, bei dem Edelmetalle eine Rolle spielen, wie es zum Beispiel in der Elektrotechnik oft der Fall ist, dann hat auch das einen Einfluss auf den entsprechenden Preis. Darüber hinaus spielt es auch immer eine Rolle, zu welchen Preisen im Moment andere Metalle und vor allem auch Währungen gehandelt werden. Insbesondere die Leitwährungen Dollar und Euro beeinflussen den Silberpreis maßgeblich.

Dieser Artikel sollte lediglich kurz einen kleinen Einblick in die Entstehung des Silberpreises geben und vor allem zeigen, dass es sich hierbei um ein unglaublich komplexes System handelt. Der Verlauf der Preisentwicklung lässt sich nie mit völliger Sicherheit vorhersagen, aus dem erwähnten Grund, dass es eben zahlreiche Faktoren sind, die hierbei wirken, und letzten Endes der menschliche Faktor auch immer eine Rolle spielt.